Wenn Tippen und Wischen auf dem Touchscreen nicht ausreichen


queezo-inline11

Wir haben in Bezug auf Telefonschnittstellen einen langen Weg zurückgelegt, weit über die Multi-Tap-Tastaturen, das vorausschauende Tegic T9 und den Navi Key der vergangenen Jahrzehnte hinaus. Wir können argumentieren, dass der Paradigmenwechsel bei Smartphone-Benutzeroberflächen mit telefonbetriebenen PDAs wie dem Compaq iPaq der frühen 2000er Jahre begann, aber es ist das erste iPhone, das eine revolutionäre Veränderung in Bezug auf berührungsbasierte Benutzeroberflächen bewirkt hat. Mittlerweile haben sich Android-Geräte in allen Preisklassen auf dem Markt verbreitet.

Aber eines bleibt noch: Die berührungsbasierte Benutzeroberfläche ist nach wie vor den gleichen Tipp-, Wisch-, Kneif- und Drehgesten nachempfunden, an die wir uns alle gewöhnt haben.

Fühlen Sie sich dadurch nicht eingeschränkt? Könnten wir mehr mit unseren Smartphone-Bildschirmen machen, als nur zu tippen und zu wischen, um mit Bildschirmelementen zu interagieren? Ein Startup namens Qeexo plant, die Art und Weise, wie wir mit unseren Smartphones interagieren, zu ändern, indem es eine verbesserte Möglichkeit bietet, mit dem Touchscreen über verschiedene Oberflächen oder Teile der Hand zu interagieren.

Die FingerSense-Technologie von Qeexo wird in der Lage sein, unter anderem den Unterschied zwischen einer Fingerspitze, einem Fingerknöchel, einem Fingernagel oder einem Stift zu bestimmen, wodurch die Möglichkeiten erweitert werden, wie wir mit Bildschirmelementen auf Smartphones, Tablets und anderen berührungsempfindlichen Geräten interagieren können. Sie können beispielsweise mit Ihrem Fingerknöchel auf den Bildschirm tippen und dieser versteht, dass Sie Text auswählen möchten, ohne weitere Schritte unternehmen zu müssen.

„Man kann sich vorstellen, es wäre, als hätte man verschiedene Knöpfe in der Hand“, sagt Sang Won Lee, Mitbegründer und CEO des in San Jose, Kalifornien, ansässigen Startups, das bisher 2,3 Millionen US-Dollar an Startkapital aufgebracht hat.

Warum das Rad neu erfinden?

Touch-fähige Geräte haben sich heute ziemlich gut entwickelt, über die Single-Touch-resistiven Technologien von früher hinaus. Mit kapazitiven Bildschirmen und immer dünneren Glasdisplays ist das Erlebnis reichhaltiger und intuitiver. In vielerlei Hinsicht ist es jedoch in die Jahre gekommen. Die Entwickler dachten ursprünglich daran, das Touchscreen-Design zu revolutionieren, als zwei weitere Mitbegründer, Chris Harrison und Julia Schwarz, ihre Doktorarbeit am Human-Computer Interaction Institute der Carnegie Mellon fortsetzten. Es begann als Experiment mit der Identifizierung von Objekten durch verschiedene Vibrationsmuster.

Die daraus resultierende Technologie ist FingerSense von Qeexo, das verschiedene Objekte anhand der unterschiedlichen Vibrationsmuster mithilfe des Beschleunigungsmessers des Geräts identifiziert. Beispielsweise erzeugt Ihre Fingerspitze ein anderes Vibrationsmuster, wenn sie den Bildschirm berührt, als beispielsweise Ihr Knöchel oder sogar eine andere Fingerspitze.

Stellen Sie sich das so vor, als hätten Sie verschiedene Maustasten. Auf Ihrem Desktop- oder Notebook-Computer unterscheidet sich der Linksklick vom Rechtsklick. Auf einigen Systemen, wie sogar Macs, wurde das gesamte Konzept des Links- und Rechtsklickens ganz anders interpretiert – entweder durch Tastatur-Trackpad-Kombinationen oder durch Klicken mit mehreren Fingern.

Bei FingerSense können verschiedene Arten von Tippen, Ziehen, Wischen und Strecken auch unterschiedliche Dinge bedeuten. Ein Fingerknöchel könnte ein Kontextmenü hervorbringen. Ein Radiergummi könnte Text oder Zeichnungen auf dem Bildschirm löschen.

Nicht nur Telefone

Über Smartphones und Tablets hinaus könnte FingerSense natürlich seinen Weg in die Automobiltechnik oder sogar zu tragbaren Geräten finden, die noch eingeschränktere Möglichkeiten der Interaktivität bieten. Autos erfordern, dass sich der Benutzer auf das Fahren konzentriert, anstatt mit der Bildschirmsteuerung herumzuspielen. Klopfen und Antippen mit verschiedenen Teilen der Hand kann also verwendet werden, um beispielsweise bestimmte Fahrzeugeinstellungen über ein Heads-up-Display umzuschalten. Oder die Smartwatch reagiert möglicherweise anders, wenn sie mit dem Finger angetippt wird, als wenn sie mit dem Fingerknöchel geklopft wird.

Hier stellt sich natürlich die Frage, ob die Gerätehersteller überhaupt mit der Technologie warm werden. Wenn Unternehmen wie Google und Apple daran interessiert sind, alternative Touchscreen-Technologien zu erforschen, dann könnte das Startup sogar auf ihrem Radar für eine mögliche Übernahme stehen.

Als Smartphone-Nutzer müssen wir aufpassen, welche Technologien in Zukunft Einzug in unsere Geräte halten. Werden es evolutionäre Veränderungen wie eine neue Art des Tippens auf Touchscreens sein? Oder wird es eine große und drastische Veränderung sein, so wie die Mehrheit der Smartphone-Welt plötzlich von numerischen und QWERTY-Tastaturen zu Full-Touch-Oberflächen übergegangen ist?